27.06.2012 / Allgemein / /

Vergessene Kinder in der Ukraine

Viele Kinder in der Ukraine leben in grosser Armut, erleben regelmässig Gewalt, sind drogenabhängig, HIV-positiv, haben kaum eine Zukunftsperspektive. 30% der Familien mit Kindern leben in der Ukraine, im zweitgrössten Land Europas in Armut. Schätzungsweise 100‘000 Kinder leben und arbeiten auf der Strasse, sie haben keinen Zugang zu Bildung, sind medizinisch unterversorgt, häufig drogenabhängig, zur Prostitution gezwungen und HIV-positiv. Sie erleben Ausgrenzung und Diskriminierung anstelle von Schutz und Betreuung.
Dabei stellt die rasche Ausbreitung von HIV die grösste Herausforderung dar. Die Zahl der HIV-positiven Schwangeren beispielsweis steigt jährlich um 20-30%. Die meisten dieser Kinder werden in arme, sozial benachteiligte Familien geboren. Zehn Prozent der HIV-positiven Mütter überlassen ihre Kinder einem staatlichen Waisenhaus – aus Überforderung.  (Quelle Unicef)

Die Ukraine ratifizierte vor rund 20 Jahren die UN-Kinderrechtskonvention. Sie ist ausserdem seit 1995 Mitgliedstaat des Europarates und hat auch die Menschenrechtskonvention ratifiziert. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates – welcher ich seit Anfang Jahr angehören darf – befasst sich in regelmässigen Abständen mit solchen erschütternden Zuständen. In derartigen Diskussionen macht sich Ohnmacht breit. Selbst die Abgeordneten der betroffenen Länder erscheinen hilflos und oft Instrument eines politischen Systems. Die politische Diskussion darf aber dennoch nicht aufgegeben werden, sonst werden die Kinder vergessen.

Siehe auch Artikel in der BaZ vom 27. Juni 2012 Vergessene Kinder von Odessa