17.05.2013 / Allgemein / /

Positive Entscheide aus Brüssel

Es gibt sie, die positiven Entscheide aus Brüssel. Neustes Beispiel dazu ist das Human Brain Project – ein Hirnforschungsprojekt der ETH Lausanne – welches von der EU-Kommission als Leuchtturmprojekt ausgewählt wurde und damit von der EU mit rund einer Milliarde Euro unterstützt wird. Damit hat die Schweiz auf dem Gebiet von neuen und künftigen Technologien bewiesen, dass sie in der Lage ist, Spitzenplätze zu erringen. Das Projekt zeigt beispielhaft auf, wie bedeutend die Zusammenarbeit der Schweiz mit dem Europäischen Forschungsraum ist und wie wichtig es auch der EU ist, derartige Technologie-Flaggschiffe in Europa zu fördern. Als führender Wissensstandort ist es auch für die Schweiz von vorrangigem Interesse, die Zusammenarbeit mit den europäischen Forschenden intensiv zu fördern und sich damit das Know-how zu erarbeiten, welches gerade für unser ressourcenarmes Land von grosser Wichtigkeit ist. Die Teilnahme an den Forschungsprogrammen der EU ist allerdings nicht einfach so zu haben. Seit 2004 beteiligt sich die Schweiz an diesen auch finanziell. Im Sommer haben die Eidgenössischen Räte über eine erneute Finanzierung dieser Beteiligung zu befinden. Dabei handelt es sich bereits um das 8. Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, welches von 2014 bis 2020 dauern soll. Der Gesamtkredit beträgt rund 4.4 Mia. Fr.. Es geht dabei sicher um einen stolzen Betrag an Bundesgeldern, welcher an die EU zugunsten dieser Programme überwiesen werden soll. Doch das Engagement lohnt sich. Die Schweiz verzeichnet seit Beginn der Beteiligung nämlich einen positiven Rückfluss. Teilnehmende Schweizer Forschende konnten in den vergangenen Jahren aufgrund der Qualität ihrer Projekte mehr Fördermittel erhalten, als der Bund in Form von Pflichtbeiträgen an die EU bezahlt hat. Kein Wunder also, dass sie ärmere Mitglieder der EU daran stören, dass ein Nichtmitglied wie die Schweiz mehr aus den EU-Fördertöpfen bekommt, als sie einzahlt. Eine kürzliche Umfrage unter Teilnehmenden hat übrigens ergeben, dass seit 2007 im Zusammenhang mit diesen Projekten 8‘000 Arbeitsplätze generiert werden konnten, 480 Patente angemeldet und 240 Firmen gegründet wurden. Gemäss Hochrechnung bis Ende 2013 werden aus dem 7. Rahmenprogramm 3‘200 Schweizer Beteiligungen (Hochschule, Universitäten, Private etc.) für die Programme erwartet, davon stammen rund 900 aus Schweizer Unternehmungen. Aufgrund der stärkeren Ausrichtung der neuen Forschungsprogramme auf die Industrie wird die Beteiligung der Privatwirtschaft stetig ansteigen. Forschung, Innovation und Technologien sind Schweizer Stärken, welche auch aussenpolitisch vermehrt genutzt werden können. Mit der Teilnahme an den EU-Forschungsprogrammen kann die internationale Wirtschaftsdiplomatie gestärkt werden und die Schweiz kann dort Präsenz markieren, wo sie ihre Stärken hat. Damit bleibt die Attraktivität des Wissensstandortes Schweiz erhalten, kann weiter ausgebaut werden und die Schweiz ist in der Lage, qualifizierte Fachkräfte anzuziehen, welche unsere Wirtschaft aktuell gerade so dringend braucht. Die intensive Zusammenarbeit unter den Forschenden in Europa ist wegweisend für das Zusammenwirken im Wettbewerb gegen die Technologiekonkurrenz weltweit. Die Schweiz tut gut daran, sich eine Teilnahme an den EU-Forschungsprogrammen auch künftig zu bewahren. Bewilligt das Parlament die Mittel, dann kann der Bundesrat das bilaterale Abkommen zwischen der Schweiz und der EU zur Beteiligung an den EU-Forschungsrahmenprogrammen erneuern und damit ein weiterer Erfolg des bilateralen Weges mit der EU sichern. Die EU dankt es uns mit positiven Entscheiden aus Brüssel. Heute als Gastbeitrag in den AZ-Medien.