16.11.2016 / Allgemein / /

Pfister und die Träumer

Die Medien verbreiten es fast gebetsmühlenartig und alle kennen die Statistiken. Ja, die CVP hat in den letzten Jahren, v.a. in den Parlamenten, mehrheitlich verloren. Und diese lange Reihe von Niederlagen kann ein noch so guter neuer Präsident nicht einfach in 6 Monaten ändern. Pfister hat von Anfang an gewusst, was es heisst, die CVP wieder zum Erfolg zu führen. Er hat genau gewusst, dass es mindestens 4, vielleicht sogar 8 Jahre braucht, bis eine erfolgreiche Strategie wirklich zum Tragen kommen kann. Liebe Journalisten, Sie sind doch alle kluge Köpfe. Auch Sie wissen, dass Sie die jüngsten Niederlagen in den Kantonen Aargau und Fribourg nicht einfach als Versagen Pfisters abtun können. Und dass Sie die Misserfolge mit der aktuellen Wertediskussion der CVP verbinden, ist ebenso falsch, weil die CVP seit Jahren verliert und nicht erst seit Pfister Präsident geworden ist.

Dass die CVP den Puls der Bevölkerung spürt, zeigen unsere Abstimmungserfolge. Mit unseren Vorschlägen und Kompromissen in Sachfragen überzeugen wir und gewinnen praktisch sämtliche Volksabstimmungen. Wer würde diese Kompromisse zwischen den Polen schaffen, wenn es die CVP nicht mehr gäbe?

Aber was machen wir falsch? Die CVP muss endlich lernen bei ihrer Politik wieder den Menschen ins Zentrum zu rücken. Politik steht im Dienste der Menschen und es darf nicht soweit kommen, dass die Menschen in den Dienst der Politik geraten.

Sowohl bei der Brexit-Abstimmung als auch bei der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA zeigt sich das gleiche Bild. Jenes Bild, welches sich in der Schweiz auch bei der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative erkennen lässt. Die Menschen sind verunsichert und haben kein Vertrauen mehr in die Politik. Die Menschen machen sich existenzielle Sorgen. Zu wenige und zu teure Wohnungen, sinkende Renten, Verlust des Arbeitsplatzes und hohe Krankenkassenprämien sind die Themen, welche bewegen. Ein steigendes BIP kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es gesellschaftliche Entwicklungen gibt, welche nicht gut sind. Die CVP muss sich diesen Themen annehmen, um zu verhindern, dass sich die Bevölkerung auch in der Schweiz spaltet.

Die Christdemokratie ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Politik; eine politische Mitte, welche das Wohl des Landes im Auge behält. Die CVP unterscheidet sich von den anderen Parteien, indem sie jede vereinfachende Ideologie ablehnt, ihre Grundwerte jedoch stets verteidigt. Und um diese Grundwerte zu verteidigen, sollen wir auch die Debatte über sie führen dürfen. Unsere Gesellschaft ist keine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Individualisten ohne Wurzeln und Geschichte.

Pfister kennt diese Ausgangslage ganz genau und weiss, wie die CVP wieder zur Gewinnerin werden kann. Wer glaubt, dass er das über Nacht machen kann, der träumt.