30.05.2014 / Allgemein, Erlebnisse, Internationale Zusammenarbeit / /

O Jogo Bonito

Fussballherzen schlagen bei uns zu Hause immer ein bisschen höher, v.a. wenn der FCB das runde Leder über den grünen Rasenplatz fegt. Und unser Basler Club hat auch die letzte Saison wieder hervorragend gespielt und ist zum fünften Mal in Serie Schweizer Meister geworden. Derartige Erfolge sind gut für den Sport und für die Reputation der Region Basel. Dass einige wenige Chaoten die Fussballstadien für Gewaltexzesse benutzen ist betrüblich, ändert aber nichts daran, dass Fussball populärer ist denn je und eine aussergewöhnliche Anziehungskraft hat. Milliarden Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen sich direkt und indirekt mit ihm – Amateure, Profis, Fans, Angestellte etc. Kein Wunder, denn Fussball ist die spontanste, einfachste und billigsten Sportart und kann sowohl im Wembley-Stadion als auch auf einem staubigen Dorfplatz in Afrika gespielt werden.

Ist es nicht erstaunlich, wie eine Sportart mehr oder weniger gleichermassen in so vielen unterschiedlichen Völkern verankert ist? Mit so viel Leidenschaft wird Fussball in unterschiedlichen Gesellschaften, politischen Regierungsformen, sozialen Schichten, Ideologien oder Altersgruppen erlebt.

In wenigen Tagen beginnt die Fussball Weltmeisterschaft in Brasilien. In einem Land, wo Fussball nicht nur Sport ist, sondern Gemeinschaft, Hoffnung, Identifikation, Existenz, Begeisterung und Leidenschaft wird um den goldenen Pokal des Weltmeisters gekämpft. Eine WM in dieser fussballverrückten südamerikanischen Nation, welche die besten Fussballer aller Zeiten hervorgebracht hat, ist zweifellos etwas ganz besonderes. Brasilien als Weltmeister 2014? Wer würde den Brasilianern schon den Titel vergönnen.

Deshalb ist die Austragung einer WM in einem Land wie Brasilien so wichtig, denn sie ist Botschafterin dafür, dass die Rechte und Pflichten jedes Einzelnen nicht vergessen gehen. Gerade in Ländern, in denen Menschenrechte mit Füssen getreten werden, in welchen Korruption und Gewalt allgegenwärtig sind, besteht die Chance mit internationalen Begegnungen einen Beitrag zur Verbesserung zu schaffen. Demzufolge ist es so wichtig, dass v.a. auch die internationalen Sportverbände wie das IOK oder die FIFA das Thema Menschenrechte bereits bei der Vergabe der Spiele zum Thema zu machen und gemeinsam im Dialog mit den Regierungen dieser Länder angehen.

Es ist falsch, internationale Sportveranstaltungen nur noch an jene Länder zu vergeben, welche gemäss unserem Standard die Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einhalten. Ebenso falsch ist es, einen internationalen Sportanlass dazu zu instrumentalisieren, gewisse Regimes reinzuwaschen und den Unrechtssystemen eine Daseinsberechtigung auszusprechen.

Vielleicht ist es blauäugig, den Sinn von internationalen Sportanlässen wie der Fussball-WM darin zu sehen, dass sie zum Aufbau einer friedlichen und besseren Welt beitragen und Menschen im Geiste von Freundschaft, Solidarität und Fairplay, ohne jegliche Diskriminierung verbinden. Aber wo stünden wir, hätten wir gerade jene Anlässe nicht. Wir tun gut daran, die ganzen Widerwärtigkeiten wie Korruption, Gewalt und Doping im Sport mit Entschiedenheit anzugehen. Gleichzeitig tun wir aber auch gut daran, den Sport, insbesondere aber auch den Fussball nicht zu verteufeln, sondern ihn als Botschafter für ein erfolgreiches globales Zusammenwirken zu schätzen.

In diesem Sinne freue ich mich auf eine erfolgreiche Fussball-WM 2014 und wünsche uns allen ein schönes Spiel, wie es Pele beschrieben hat:  O Jogo Bonito!

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