15.10.2016 / Allgemein / /

Genitalverstümmelung ist eine tiefgreifende Menschenrechtsverletzung

In der parlamentarischen Versammlung des Europarates wurde in der Herbstsession über Massnahmen gegen die Genitalverstümmelungen an Frauen beraten. Es ging einmal mehr um das Thema, wie gehen wir mit fremden Traditionen und Kulturen um. Und es ist halt einfach so, dass sich die Konflikte dabei oft an der Rolle der Frau entzünden. Sei es bei der Verhüllung der Frau, bei der Zwangsverheiratung von Mädchen, beim Verbot von Schwimmunterricht muslimischer Mädchen oder eben bei der qualvollen Genitalverstümmelung. Es geht immer darum was Frauen dürfen oder nicht dürfen oder was sie sollen oder nicht sollen. Und darüber entscheiden ihre Ehemänner, ihre Väter und Brüder. Sie richten über die Frauen, wie sie sich verhalten sollen, welche Kleidung angemessen ist und wie sie leben sollen. So bestimmen auch Männer in gewissen Kulturen, dass Frauen beschnitten werden müssen, damit sie gute Ehefrauen werden können und stützen sich dabei auf ihre Traditionen.

Weltweit leben mehr als 125 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Wir können uns nicht vorstellen, welches Leid alle diese Frauen ertragen müssen. Was sind das für Ärzte, welche ihr grausames Handeln damit begründen, dass Mädchenbeschneidung zu Sittsamkeit, Ehrgefühl und emotionalem Gleichgewicht bei Frauen führen würden. Frauen werden auf brutalste Weise verstümmelt, um sie gefügig zu machen.

In der Schweiz stellt die Beschneidung weiblicher Geschlechtsorgane eine Körperverletzung dar und ist verboten. Sie kann mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft werden. Wer eine weibliche Genitalbeschneidung durchführt, an ihr teilnimmt oder bei der Planung mitwirkt wird bestraft, egal ob es Arzt, Beschneider, Eltern oder Familienangehörige sind.

Obwohl die Schweiz die Genitalverstümmelung unter strenge Strafe stellt, nimmt sie aber auch bei uns zu. Es wandern Frauen aus Ländern ein, in denen diese praktiziert wird. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz rund 15‘000 betroffene oder gefährdete Mädchen oder Frauen leben, welche v.a. aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Ägypten einreisen. Es wird darüber berichtet, dass Beschneider aus diesen Ländern einreisen, um in Hinterzimmern diese Verstümmelung vorzunehmen. In einer Umfrage erklärten 4 von 5 Gynäkologen und zwei Drittel der Hebammen in der Schweiz, Kontakt mit beschnittenen Mädchen oder Frauen gehabt zu haben.

Diese Verstümmelung von Frauenkörpern dürfen wir aber nicht hinnehmen und müssen alles nur Erdenkliche unternehmen, dass diese weltweit unterbunden wird. Genitalverstümmelung ist eine unglaublich tiefgreifende Menschenrechtsverletzung und eine Missachtung der Würde der Frau.

Um Genitalbeschneidung zu verhindern, braucht es deshalb mehr als ein nationales Verbot. Nur mit internationalen Strategien und Kooperationen schaffen wir es, die Frauen von diesem unendlichen Leid zu befreien.

Und wir brauchen Männer, welche bereit sind, sich für diese Frauen einzusetzen. Es war beklemmend, dass sich an der Debatte Im Europarat vom vergangenen Donnerstag lediglich ein einziger Mann zu Wort gemeldet hat.

Bild von UNICEF Schweiz, dem Kinderhilfswerk der UNO, welches sich seit Jahren gegen die Genitalverstümmelung einsetzt.