20.12.2020 / Allgemein / /

Das andere Weihnachtsfest

Was wäre, wenn wir Weihnachten nicht so feiern könnten, wie wir es geplant haben? Was wäre, wenn wir auf alles verzichteten, was wir seit Jahren zur Tradition erklärt haben, was uns aber Jahr für Jahr mit Rastlosigkeit und Stress erfüllt: die ausgeklügelte Besuchslogistik zur Zufriedenheit aller Familienmitglieder, der erlesene Baumschmuck in der richtigen Farbwelt, das kämpferische Last-Minute-Shopping gegen alles Vergessene, das probegekochte X-Sterne-Menü, der straff getaktete Tagesplan mit Kinder raus, Tännlein rein, Ofen zu, Kerzen an, Geschenke auf? Was wäre, wenn wir all das einfach bleiben liessen? Nur dieses eine Mal?

Wir könnten uns im kleinen Kreis zusammenfinden. Wir könnten alle Kerzen anzünden, die wir schon seit Jahren in unseren Schubladen lagern, weil sie nicht zum jeweiligen Dekorationskonzept passten. Wir könnten den Rucksack mit Picknick und ein paar trockenen Holzscheiten packen, zum nahegelegenen Grillplatz spazieren und ein paar Cervelats grillen. Oder wir stellen schlicht alles auf den Tisch, was gerade im Kühlschrank steht. Wir könnten eine endlose Runde Scrabble, Schach oder Schieber spielen. Wir könnten uns die original Weihnachtsgeschichte vorlesen. Wir könnten an jene denken, denen es nicht gut geht. Wir könnten miteinander reden. Wir könnten miteinander schweigen. Wir könnten miteinander sein. Und alles andere sein lassen.

Ich bin überzeugt, dass wir uns an dieses Weihnachtsfest noch lange zurückerinnern.