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Schwingfeste, das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Heimat und Identität

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Bild: Sieger Martin Hersche Appenzell

Festrede anlässlich des 110. Nordwestschweizer Schwingfestes in Therwil/BL

13. August 2017

Wenn die starken Schwinger aus allen Landesteilen zusammenkommen, und wenn das Sägemehl in den verschiedenen Ringen der Arena stäubt. Wenn die Zuschauer bei einem schönen Wurf jubeln und wenn sich Alt und Jung, Stadt und Land treffen, um gemeinsam Fach zu simplen. Wenn über traditionelle Handwerke gestaunt wird und wenn alle zusammen gemeinsam zur Festmusik bis in die tiefe Nacht hinein tanzen. Dann ist das gelebte schweizerische Tradition, gelebtes Brauchtum und Teil der Kultur und der Wurzeln unseres Landes.

Und diese Kultur gehört uns allen. Sie steht für eine faire und solidarische und für eine unabhängige und eigenständige Schweiz. Für eine Schweiz, mit Werten auf welche wir alle stolz sind.

Der Schwingsport vereint diese Werte eindrücklich.

Der Schwingsport ist unabhängig und eigenständig wie keine andere Sportart. Er zeigt, dass man neue innovative Wege gehen kann ohne das Bewährte aufzugeben. Er zeigt eindrücklich, dass sich Tradition mit Innovation vertragen kann. Er zeigt, dass unsere Volkskultur Ausdruck von Wurzeln und tiefer Verbundenheit mit der eigenen Scholle ist.

Der Schwingsport ist aber auch solidarisch und fair. Dass sich Schwinger vor dem Gang mit Handschlag begrüssen und am Ende eines harten Kampfes der Gewinner dem Verlierer das Sägemehl abklopft, zeugt von Fairness und grossem Sportgeist. Viele Sportarten könnten sich ein Beispiel daran nehmen. Aber nicht nur Sportarten. Ich wünsche mir einen derartig solidarischen und fairen Umgang auch in der Politik. Es würde der Schweiz gut tun.

Und der Schwingsport entwickelt Gemeinsinn. Die Freiwilligenarbeit nimmt in den letzten Jahren stetig ab. Immer weniger Menschen sind bereit sich für eine Gemeinschaft einzusetzen. Nicht so beim Schwingsport. Da erlebe ich so viele Leute, welche sich seit Monaten oder sogar Jahren mit Herzblut für ein gelungenes Volksfest engagieren.

Unabhängigkeit, Eigenständigkeit, Solidarität, Fairness und Gemeinsinn. Das ist der Schlüssel für den Erfolg solcher Feste. Das ist der Schlüssel, dass sich eine ganze Region freudig und friedlich zusammenfindet.

Wir spüren hier einen einzigartigen Kitt unter den Menschen. Einen Kitt, welchen ich am Eidgenössischen, aber auch an vielen kleineren Schwing- und Älplerfesten immer wieder erlebe. Der alte Mann mit Brissago gehört ebenso zum Bild eines solchen Festes, wie viele junge Menschen. Und was mich besonders freut ist, dass sich immer mehr junge Frauen für diese Kultur interessieren.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, wo der Wandel dominiert. Dass wir mit solchen Volksfesten einen Rahmen schaffen, mit welchem den Bedürfnissen nach Gemeinschaft, Heimat und Identität gerecht werden kann, ist doch wunderbar.

Ich danke allen Mitwirkenden für ihre große Arbeit. Ich danke den Därwilern für ihren Mut und den Einsatz ein solches Fest auf die Beine zu stellen. Sie dienen damit direkt unserer Gesellschaft, denn dem innersten Wesen unseres Landes kommen wir kaum irgendwo näher als an einem Fest wie diesem.

Und gestatten Sie mir noch eine Bemerkung zu Handen des Eidgenössischen Schwingerverbandes: Sind wir nicht hervorragend aufgestellt, um das Eidgenössische im Jahr 2022 ins Baselbiet zu holen?

Nun wünsche ich Ihnen noch einen wunderbaren Aufenthalt in Därwil, im Leimental, in der Nordwestschweiz und danke Ihnen, dass Sie Teil dieses Volksfestes sind. E guete Schwung nid nur im Sägmehl!

Kategorie: Baselbiet, Erlebnisse, Gesellschaft, Kultur, Nordwestschweiz | Kommentare deaktiviert für Schwingfeste, das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Heimat und Identität

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Elisabeth Schneider-Schneiter

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