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Kuhhandel oder Zaubertrank

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Die Grenzen zwischen Kompromiss und Kuhhandel sind schmal. Sicherlich: Der Kompromiss ist nicht der einzige Weg zum Erfolg; aber er ist auch längst nicht so schlecht, wie er gemacht wird. Das schlechte Image des Kompromisses, seine immer öfters erfolgende Gleichsetzung mit Kuhhandel ist eine Folge der Polarisierung der schweizerischen Politik. Immer einfacher und verlockender ist es, Extrempositionen einzunehmen und solche Forderungen zu stellen. Auch oder gerade dann, wenn man selber gar nicht damit rechnet, diese realisiert zu sehen. Die Zauberformel hat der Schweiz über viele Jahrzehnte Stabilität und Erfolg gebracht. Reformstau war lange Zeit ein Fremdwort. Seit dem Ende der Zauberformel ist dies anders. Die heute von einer grossen Mehrheit im Land als unsäglich empfundene Situation, keine Reformprojekte mehr realisieren zu können, liegt grösstenteils in der Verantwortung der beiden S-Parteien. Statt dass die beiden stärksten Parteien in unserem Land ihre Regierungsverantwortung wahrnehmen, gefallen sie sich immer mehr – und dies nicht nur aber v.a. mit Blick auf die Wahlen – in ihrer Rolle als Opposition. Sie stellen den Kompromiss damit als faulen Zauber dar, statt ihn als das zu pflegen, was er für die Schweiz lange war: Unser politischer Zaubertrank, der zum Wohle aller in diesem Land wirkte.

Leserbrief NZZ vom 7. September 2018 Kuhandel oder Zaubertrank

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Elisabeth Schneider-Schneiter

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