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Fair-Food-Initiative verfehlt ihr Ziel

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Eine umweltfreundliche Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und ein fairer Handel wollen wir alle. Bioprodukte und regionale Erzeugnisse boomen nicht umsonst. Dennoch haben sich Bundesrat und Parlament gegen die Fair-Food-Initiative ausgesprochen. Sie würde die Wahlfreiheit der Konsumenten einschränken, Preise von Nahrungsmitteln in die Höhe treiben, den Einkaufstourismus beflügeln, die internationalen Handelsverträge in Frage stellen und die eigene Lebensmittelindustrie diskriminieren. Selbst die Initianten stellen in der Zwischenzeit fest, dass der Initiativtext nicht optimal ist und in der Umsetzung korrigiert werden müsste. Die Fair-Food-Initiative ist – wie so viele Initiativen in jüngster Zeit – gut gemeint, verfehlt aber ihr Ziel. Deshalb lehnt auch der Schweizer Bauernverband diese Initiative ab. Sie würde den Bauern die Produktion noch mehr erschweren und mit den zusätzlichen Qualitätsvorschriften die Preise für Agrarprodukte in die Höhe treiben.

Die aktuelle Hitze ist für die Schweizer Landwirtschaft verheerend. An vielen Orten hat es seit Wochen nicht mehr geregnet. Getreide vertrocknet, Gemüse wächst kaum und für die Kühe fehlt das Heu. Woher – frage ich die Initianten – nehmen wir bei derartigen Extrembedingungen unsere Lebensmittel her? Die Bauern müssen Heu aus dem Ausland dazukaufen. Ob dieses Heu den Qualitätsansprüchen der Initianten gerecht wird? Vielleicht müssen wir uns auch auf ganz neue Produktionstechnologien einstellen. Die Airline Emirates baut zum Beispiel in einer riesigen Halle in Dubai, ohne jegliches Tageslicht, Blattgemüse an. Der Salat wächst in vollklimatisierten Räumen. Die Beleuchtung und die Luftfeuchtigkeit sind computergesteuert. Pro Tag wird man dort 2.7 Tonnen Blattgemüse ernten können. Die Anlage benötigt 99 Prozent weniger Wasser als auf dem freien Feld. Zudem kann man auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden verzichten. Dass wir unsere bewährte Landwirtschaft mit solchen Anlagen ersetzen, ist heute unvorstellbar. Nimmt die Dürre aber ein noch schlimmeres Ausmass an, dann könnten solche Modelle im In- und Ausland die Versorgung mit Gemüse sicherstellen. Global betrachtet, ist dieses Beispiel weit nachhaltiger als herkömmliche Produktionsmethoden. Verbauen wir uns unsere Zukunft nicht und sagen Nein zur Fair-Food-Initiative.

BZ vom 14. August 2018

Kategorie: Allgemein | Kommentare deaktiviert für Fair-Food-Initiative verfehlt ihr Ziel

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Elisabeth Schneider-Schneiter

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