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Eine prosperierende (Land-)Wirtschaft braucht Zugang zu den Weltmärkten

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Die Reaktionen des Schweizer Bauernverbands auf die Vorschläge des Bundesrates für eine moderate Marktöffnung im Landwirtschaftsbereich waren heftig. Zu schreddern sei der Bericht, teilte er in seiner Pressemittelung mit. Klar, dass ich als Bauerntochter Verständnis habe für die harsche Reaktion. Ich fühle mich dem Bauernstand sehr verbunden und setze mich für eine florierende Landwirtschaft mit gesunden Produkten für die Menschen in unserem Land ein. Sich für die Landwirtschaft einzusetzen, darf aber nicht heissen, dass wir die übrigen 99.3% unseres BIP vernachlässigen sollen. Denn gerade dank einer florierenden Wirtschaft sind die Schweizerinnen und Schweizer in der Lage, für Lebensmittel wesentlich höhere Preise zu zahlen als in unseren Nachbarländern. Und dank der guten Beschäftigungslage haben wir einen stabilen Staatshaushalt, aus dem jährlich rund 2.8 Milliarden Franken Direktzahlungen an die rund 50 000 Landwirtschaftsbetriebe bezahlt werden können. Dies macht pro Betrieb im Mittel über 50 000 Franken. Hinzu kommt der Schutz der einheimischen landwirtschaftlichen Produkte durch Grenzschutz, welcher sich gemäss OECD auf einen Wert von rund 3.5 Milliarden Franken beläuft.

Unsere mit Ausnahme des Landwirtschaftssektors offene Wirtschaft ist auf den Zugang zu den ausländischen Märkten angewiesen. Die Schweizer Industrie- und Gewerbebetriebe brauchen mindestens gleich gute Handelsbedingungen wie die ausländischen Konkurrenten. Für die stark exportorientierte Wirtschaft in der Nordwestschweiz ist dies überlebenswichtig. Zehntausende Arbeitsplätze in unserer Region hängen davon ab, dass wir unsere Produkte zu vorteilhaften Bedingungen exportieren können. Wie die Schweiz verhandelt auch die EU beispielsweise mit dem südamerikanischen Handelsraum „Mercosur“. Wenn die Schweiz hier nicht gleich zieht, gehen Exportmärkte und damit Arbeitsplätze und Kaufkraft verloren. Mit neuen Handelsabkommen eröffnen sich zudem auch für die Schweizer Landwirtschaft neue Exportchancen. Schweizer Käse ist von bester Qualität und weltbekannt. Und in den aufstrebenden Märkten Südamerikas und Asiens gibt es einen wachsenden Mittelstand, der bereit ist für hochwertige Produkte einen guten Preis zu zahlen.

 

Klar, dass Veränderungen auch Sorgen und Ängste verursachen können. Vielleicht sollten wir aber auch den Mut haben, die Landwirtschaftspolitik von Grund auf neu aufzugleisen. Letztlich geht es doch einfach darum, dass die Bauern nicht einfach nur noch Subventionsempfänger sind, sondern sie sich wieder unabhängig auf ihren Job konzentrieren können. Es kann nicht sein, dass der Bauernstand vor lauter Auflagen und Bürokratie für Staatssubventionen fast nicht mehr in der Lage ist seine Arbeit zu verrichten. Warum nicht die Innovationskraft der Wirtschaft aktiv nutzen, um der Landwirtschaft neue Opportunitäten zu ermöglichen? Gerade in Basel sind wir stark in Agrochemie. Life Science ist hier zu einem regelrechten Cluster herangewachsen. Gerade diese Industrien könnten dazu dienen, neue Wege für die Ernährungssicherheit zu finden. Neue Wege um Ressourcen wie Boden- und Wasserverbrauch zu schonen und der Einsatz von Pestiziden zu verringern. Statt Abschottung, Regulierung und Subventionen zu verfügen, sollten wir Innovationen nutzen und unsere Landwirtschaft für den internationalen Markt rüsten. Wichtig ist deshalb die Zusammenarbeit zwischen allen Involvierten.

Gastbeitrag in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 5. Dezember 2017.

Kategorie: Allgemein | Kommentar schreiben

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Elisabeth Schneider-Schneiter

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