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Eine Chance für die Schweiz

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Die Wahl des US-Präsidenten hat bereits im Programm des letzten Jahres seine Spuren hinterlassen. Das ist nicht verwunderlich, denn das WEF setzt sich für Globalisierung, Freihandel und einer starken internationalen Zusammenarbeit insbesondere auch im Bereich Umwelt ein. Nationalismus und Protektionismus stehen diesem Ziel diametral entgegen. Trump und seine Regierung seien „die grossen Abwesenden“ wurde am letztjährigen WEF deshalb auch von verschiedenen Seiten kritisiert. Die Abwesenheit war aber verständlich, denn Trump wurde erst am 20. Januar 2017, d.h. während des WEF ins Amt eingeführt. Und nun hat der US-Präsident seine Teilnahme am diesjährigen WEF Ende Januar angekündigt. Und das ist gut.

Man muss kein Fan von Trump sein, um sein Kommen zu begrüssen. Seine Ideen und Entscheidungen stehen für mich im Widerspruch zu meinem Verständnis einer Frieden stiftenden und dem Wohlstand dienenden Weltpolitik. Aber wer kann dagegen sein, wenn sich ein demokratisch gewählter US-Präsident in der Schweiz einem offenen Dialog stellen will? Wenn er Bereitschaft zeigt, sich mit beachteten Grössen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu treffen, um über die aktuellsten Fragen der Welt zu diskutieren?

Das diesjährige Forum steht unter dem Motto einer gemeinsamen Zukunft in einer zersplitterten Welt. Dieses Thema ist nicht zuletzt der aggressiven „America First“-Politik von Donald Trump gewidmet. Dass sich dieser nun himself an den runden Tisch setzt und sich kritischen Fragen stellt, ist zumindest kein schlechtes Zeichen. Dass der Besuch aus den USA für die totgeglaubte Anti-WEF-Bewegung ein gefundenes Fressen ist, liegt auf der Hand. Sie sucht wieder ihre grosse Bühne, nachdem sich das WEF in den letzten Jahren vermehrt Umweltfragen und Menschenrechten auf die Fahne geschrieben hat. Dabei haben Trump und diese Bewegung im Zusammenhang mit dem WEF eine Gemeinsamkeit. Beide haben der „ungerechten“ Globalisierung den Kampf angesagt.

Für die Schweiz ist der Besuch von Trump eine Chance. Dass die Schweiz als kleine Volkswirtschaft für den mächtigsten Mann der Welt eine Option für eine derartige Reise ist, zeigt die Bedeutung nicht nur des WEF, sondern auch unseres Landes in der Weltwirtschaft. Nutzen wir also diesen Besuch und versuchen mit bilateralen Treffen das Gespräch zu suchen, auch wenn es nur kurze Treffen sein werden. Vielleicht geht es nur um den Austausch von Freundlichkeiten, vielleicht bekommen wir aber auch die Chance für die Schweiz wichtige Dossiers anzusprechen. Zentral werden dabei die Rolle der USA in der WTO und die künftige Zusammenarbeit im Bereich von Freihandel sein. Interessant für die Schweiz dürften aber auch die künftige Steuerpolitik der USA und die Auswirkungen auf die Unternehmensbesteuerung der Schweiz sein. Ein paar Minuten mit Trump im verschneiten Bergdorf Davos zu verbringen, könnten für die Schweiz von entscheidendem Nutzen sein.

Kategorie: Allgemein | Kommentare deaktiviert für Eine Chance für die Schweiz

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Elisabeth Schneider-Schneiter

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